Wusstest du, dass Pferde aus Heu (und (Stroh) selbst gesunden Zucker herstellen?

Steffi Ulrich • 22. Dezember 2025

Klingt erstmal widersprüchlich, oder?

Klingt erstmal widersprüchlich, oder?

Schließlich heißt es doch überall:
„Zucker ist böse, Zucker macht krank, Zucker führt zu Rehe & Co.“

Und dann komme ich daher und behaupte:
Pferde können sich ihren Zucker selbst herstellen – und zwar aus Heu und sogar aus Stroh.
Ganz ohne Apfel, Möhre oder Melasse. 🐴✨

Zeit, mit einem hartnäckigen Denkfehler aufzuräumen.


Zucker ist nicht gleich Zucker


Wenn wir über „Zucker“ sprechen, denken viele sofort an:

  • süß riechendes Müsli
  • Melasse
  • Obst
  • hohe Fruktanwerte im Gras

Das sind schnell verfügbare Zucker, die im Dünndarm landen – und bei empfindlichen Pferden echte Probleme machen können.

Aber:
Der Körper eines Pferdes braucht trotzdem Glukose.

Zum Beispiel für:

  • das Gehirn
  • die Muskeln
  • den Stoffwechsel
  • das Immunsystem

Die entscheidende Frage lautet also nicht:
„Zucker – ja oder nein?“

Sondern:
„Woher kommt er – und wie?“


Die geheime Zuckerfabrik im Pferdebauch


Pferde sind keine Wiederkäuer, aber sie haben ein echtes Ass im Ärmel:


einen hochkomplexen Gärdarm (Blind- und Dickdarm).


Dort passiert etwas Erstaunliches:


  1. Das Pferd frisst strukturreiche Pflanzenfasern
    wie Cellulose, Hemicellulose und Lignin
    aus Heu, Stroh und Kräutern
  2. Milliarden Mikroorganismen übernehmen die Arbeit
  3. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, vor allem:
  • Essigsäure
  • Propionsäure
  • Buttersäure


Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:


Propionsäure wird in der Leber zu Glukose umgebaut

Zucker – selbst hergestellt.
Bedarfsgerecht.
Ohne Blutzuckerchaos.


🌾 Warum gerade Heu und Stroh dabei so wertvoll sind


Viele denken:
„Stroh ist doch nur Füllmaterial.“

In Wahrheit ist es:

  • extrem strukturreich
  • sehr zuckerarm
  • ideal für eine ruhige, gleichmäßige Fermentation


Gerade in Kombination mit gutem Heu passiert Folgendes:

  • längere Fresszeiten
  • eine stabilere Darmflora
  • eine gleichmäßige Energieversorgung
  • weniger Insulinspitzen


Das Pferd produziert seine Glukose langsam, konstant und angepasst an seinen Bedarf.

Das ist metabolisch gesehen ein großer Vorteil – vor allem für:

  • EMS-Pferde
  • rehegefährdete Pferde
  • leichtfuttrige Typen
  • Allergiker
  • Pferde mit Darmproblemen


🧠 Bekommt das Gehirn dann überhaupt genug Energie?


Ein häufiger Gedanke ist:
„Aber ohne Zucker im Futter fehlt dem Pferd doch Energie fürs Gehirn!“

Ganz klar: Nein.


Denn:

  • das Pferd braucht Glukose
  • aber keinen Zucker im Futter


Solange:

  • ausreichend Struktur
  • eine funktionierende Darmflora
  • genügend Kauzeit

vorhanden sind,
versorgt sich der Körper selbst – leise, effizient und zuverlässig.


🚨 Wann Zucker wirklich problematisch wird

Problematisch wird Zucker dann, wenn er:

  • schnell verfügbar ist
  • im Dünndarm ankommt
  • Insulinspitzen auslöst


Das passiert vor allem bei:

  • stark zucker- oder stärkereichem Futter
  • sehr jungem oder stark gedüngtem Gras
  • melassierten Futtermitteln


Nicht bei rohfaserreicher, strukturbetonter Fütterung.


🌿 Und genau deshalb beginnt alles bei der richtigen Basis


Genau aus diesem Grund solltest du als Allererstes an eine ausgewogene Zusammensetzung verschiedener Rauhfutter denken.

Zum Beispiel an eine sinnvolle Kombination aus Heu und Stroh –  nicht zu energiereich, aber auch nicht mangelhaft.


Damit der Stoffwechsel deines Pferdes diesen „gesunden Zucker“ überhaupt herstellen kann, braucht er:

  • ausreichend Struktur
  • ein passendes Eiweißniveau
  • eine bedarfsgerechte Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und vor allem Spurenelementen

Erst wenn diese Grundlagen stimmen, können Darm, Leber und Stoffwechsel wirklich sauber zusammenarbeiten.


Wie du eine solche Ration praxisnah, individuell und pferdegerecht zusammenstellst, erfährst du zum Beispiel in meinem Buch.

👉 [Hier geht’s zur Buchseite]

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