Duca und der lange Winter – wie ein außergewöhnlicher Fellwechsel zur entscheidenden Frage wurde
Warum die Anpassung der Ernährung eines Cushing- oder Pseudocushingpferdes so wichtig ist.
Duca ist ein 20-jähriger Reitpony-Wallach, der gemeinsam mit seiner Stallkumpelin – einer gesunden, lebensfrohen Spanierstute – in einem kleinen Offenstall auf Mallorca lebt. Ein ruhiges Duo, das seit Jahren wunderbar miteinander harmoniert.
Doch vorletztes Frühjahr war etwas anders.
Während die Stute schon längst im glänzenden Sommerfell stand, trug Duca noch immer seinen dichten Wintermantel. Seine Besitzerin zog an den langen gelockten Haaren und versuchte einzelne Haare zu lösen – vergeblich. Das Fell saß fest wie angeklebt.
Schließlich rief sie die Tierärztin.
Nach kurzer Untersuchung fiel der Satz, den niemand hören möchte:
„Das sieht nach Cushing aus.“
Sie meinte PPID – Pituitary Pars Intermedia Dysfunction.
Eine hormonelle Erkrankung, die immer häufiger diagnostiziert wird und viele Pferdebesitzer verunsichert.
Ein Test wurde erstmal nicht gemacht. Und bevor man ein Medikament beginnt, das
- schwer zu bekommen ist,
- teuer ist,
- und das man später kaum wieder absetzen kann,
stellt sich eine wichtige Frage:
Was, wenn Duca gar kein echtes PPID hat – sondern nur Cushing-ähnliche Symptome?
Genau dort begann unsere gemeinsame Reise.
Cushing oder nicht? – warum die Sache oft komplizierter ist
Bei Pferden entsteht PPID durch eine gutartige Veränderung in der Hirnanhangdrüse, der sogenannten Pars intermedia.
Das kann zu hormonellen Fehlsteuerungen führen, die den Stoffwechsel durcheinanderbringen.
Doch – und das ist wichtig:
Viele Symptome, die nach Cushing aussehen, haben eine völlig andere Ursache.
Und bei Duca gab es gleich mehrere Hinweise, die mich stutzig machten.
1. Wiederkehrende Hautprobleme
Schon im Sommer fiel bei ihm eine Hautveränderung an der Nase auf.
Die Tierärztin vermutete Sonnenbrand – möglich, aber ich dachte sofort weiter:
Hautprobleme bedeuten bei Pferden fast immer, dass Leber und Stoffwechsel Unterstützung brauchen.
2. Die typische mallorquinische Fütterung
Duca wird – wie viele Pferde auf der Insel – strohbasiert gefüttert:
- Stroh
- Garba (ungedroschenes Stroh)
- kaum oder gar kein Heu
Das ist grundsätzlich nicht schlecht, aber:
Viele ältere Pferde entwickeln dabei
→
Eiweißmangel
→
Schwächen in der Verdauung
→
fehlende Spurenelemente
Und genau das kann einen Fellwechsel massiv verzögern.
Ganz ohne PPID.
3. Sein Gesamtbild passte einfach nicht zu echtem PPID
Er hatte:
- kein extrem langes, gelocktes Fell
- keine deutliche Rückenmuskelschwäche
- keine Fettpolster an ungewöhnlichen Stellen
- keine wiederkehrenden Infekte
Aber er hatte Probleme… im Stoffwechsel.
Der Plan: Erst den Körper stärken – bevor man das „große Wort PPID“ in Stein meißelt
Wir beschlossen gemeinsam, nicht vorschnell ein Medikament einzusetzen, sondern Ducas Stoffwechsel gezielt zu unterstützen.
🔸 Schritt 1: Bierhefe – für Leber, Darm und Fell
Die erste Maßnahme war eine einfache Kur mit
Bierhefe.
Warum?
Weil sie:
- die Darmflora stärkt
- die Leber entlastet
- die Verdauung verbessert
- und oft den Fellwechsel anstößt
Gerade bei älteren Pferden, die strohbasiert gefüttert werden, wirkt Bierhefe häufig Wunder.
🔸 Schritt 2: Eiweiß – das unterschätzte Fellwechselsignal
Viele vergessen, dass der Fellwechsel ein
eiweißintensiver Prozess ist.
Duca bekam daher:
- etwas Schwarzhafer
- oder Luzerne (je nachdem, was verfügbar war)
🔸 Schritt 3: Spurenelemente – Zink, Kupfer, Mangan
Duca erhielt ein hochwertiges Spurenelement-Präparat, um:
- die Haut zu regenerieren
- den Stoffwechsel anzuschieben
- den Hormonhaushalt zu stabilisieren
Zink, Kupfer und Mangan sind besonders wichtig für ältere Pferde – und fehlen bei Strohbasierter Fütterung ohne Mineralfutter grundsätzlich.
Dazu gaben wir noch Mariendistel für die Leber und Mönchspfeffer in Absprache mit Tierheilpraktikerin.
Die Veränderung
Zunächst passierte wenig.
Dann passierte alles auf einmal.
Eine Woche später lagen Fellbüschel über den gesamten Paddock verteilt.
Duca war endlich im Fellwechsel.
Mit jedem Tag wurde er leichter, freier, frischer.
Seine Haut heilte.
Sein Blick wurde klarer.
Die Müdigkeit wich.
Und seine Besitzerin atmete auf.
Der entscheidende Moment
Rückblickend ist uns etwas sehr klar geworden:
Duca brauchte kein Medikament.
Er brauchte Unterstützung.
Und das Beste:
Diese Unterstützung ist sanft, bezahlbar und ohne Nebenwirkungen.
Doch: Sie muss konsequent bleiben und man muss immer mal wieder neu überdenken.
Fazit:
Wer ein älteres Pferd strohbasiert füttert, sollte Spurenelemente, Eiweiß und Darmgesundheit NIEMALS unterschätzen.
💊 Und noch ein Wort zum Medikament – falls PPID doch bestätigt wird
In Spanien ist das klassische Cushing-Medikament Prascend® (Pergolid)
- schwer erhältlich
- teuer
- oft nur über Tierärzte oder internationale Apotheken verfügbar
Und einmal begonnen, kann man es kaum wieder absetzen, weil der Körper sich hormonell darauf einstellt.
Seit 2024 gibt es allerdings eine europäische Alternative:
Pergocoat®
Ebenfalls mit Pergolid, in verschiedenen Dosierungen – eventuell zukünftig leichter zu bekommen.
Doch egal welches Präparat:
Erst testen – dann entscheiden.
Fazit
Ducas Geschichte zeigt, wie wichtig es ist:
- hinzuschauen,
- Zusammenhänge zu erkennen,
- und nicht vorschnell PPID zu rufen.
Mit der richtigen Fütterung und gezielten Ergänzungen lassen sich Cushing-ähnliche Symptome oft vollständig beheben – ohne Medikamente.





























































































