Duca und der lange Winter – wie ein außergewöhnlicher Fellwechsel zur entscheidenden Frage wurde

Steffi Ulrich • 15. August 2025

Warum die Anpassung der Ernährung eines Cushing- oder Pseudocushingpferdes so wichtig ist.


Duca ist ein 20-jähriger Reitpony-Wallach, der gemeinsam mit seiner Stallkumpelin – einer gesunden, lebensfrohen Spanierstute – in einem kleinen Offenstall auf Mallorca lebt. Ein ruhiges Duo, das seit Jahren wunderbar miteinander harmoniert. Doch vorletztes Frühjahr war etwas anders. Während die Stute schon längst im glänzenden Sommerfell stand, trug Duca noch immer seinen dichten Wintermantel. Seine Besitzerin zog an den langen gelockten Haaren und versuchte einzelne Haare zu lösen – vergeblich. Das Fell saß fest wie angeklebt. Schließlich rief sie die Tierärztin. Nach kurzer Untersuchung fiel der Satz, den niemand hören möchte:


„Das sieht nach Cushing aus.“


Sie meinte PPID – Pituitary Pars Intermedia Dysfunction. Eine hormonelle Erkrankung, die immer häufiger diagnostiziert wird und viele Pferdebesitzer verunsichert. Ein Test wurde erstmal nicht gemacht. Und bevor man ein Medikament beginnt, das schwer zu bekommen ist, teuer ist und das man später kaum wieder absetzen kann, stellt sich eine wichtige Frage:


Was, wenn Duca gar kein echtes PPID hat – sondern nur Cushing-ähnliche Symptome?


Genau dort begann unsere gemeinsame Reise.


Cushing oder nicht? – warum die Sache oft komplizierter ist


Bei Pferden entsteht PPID durch eine gutartige Veränderung in der Hirnanhangdrüse, der sogenannten Pars intermedia.
Das kann zu hormonellen Fehlsteuerungen führen, die den Stoffwechsel durcheinanderbringen.

Doch – und das ist wichtig:


Viele Symptome, die nach Cushing aussehen, haben eine völlig andere Ursache.


Und bei Duca gab es gleich mehrere Hinweise, die mich stutzig machten.


1. Wiederkehrende Hautprobleme


Schon im Sommer fiel bei ihm eine Hautveränderung an der Nase auf. Die Tierärztin vermutete Sonnenbrand – möglich, aber ich dachte sofort weiter:

Hautprobleme bedeuten bei Pferden fast immer, dass Leber und Stoffwechsel Unterstützung brauchen.


2. Die typische mallorquinische Fütterung

Duca wird – wie viele Pferde auf der Insel – strohbasiert gefüttert:


  • Stroh
  • Garba (ungedroschenes Stroh)
  • kein Heu


Das ist grundsätzlich nicht schlecht, aber viele ältere Pferde entwickeln dabei langsam und schleichend:
Eiweißmangel
Schwächen in der Verdauung
fehlende Spurenelemente


Und genau das kann einen Fellwechsel massiv verzögern. Ganz ohne PPID.


3. Sein Gesamtbild passte einfach nicht zu echtem PPID


Er hatte:

  • kein extrem langes, gelocktes Fell
  • keine deutliche Rückenmuskelschwäche
  • keine Fettpolster an ungewöhnlichen Stellen
  • keine wiederkehrenden Infekte


Aber er hatte Probleme… im Stoffwechsel.


Warum Stoffwechselprobleme beim Pferd oft so spät bemerkt werden, kannst du hier in meinem Blogartikel lesen.


Der Plan: Erst den Körper stärken – bevor man das „große Wort PPID“ in Stein meißelt


Wir beschlossen gemeinsam, nicht vorschnell ein Medikament einzusetzen, sondern Ducas Stoffwechsel gezielt zu unterstützen.


🔸 Schritt 1: Bierhefe – für Leber, Darm und Fell

Die erste Maßnahme war eine einfache Kur mit Bierhefe.
Warum?
Weil sie:

  • die Darmflora stärkt
  • die Leber entlastet
  • die Verdauung verbessert
  • und oft den Fellwechsel anstößt


Gerade bei älteren Pferden, die strohbasiert gefüttert werden, wirkt Bierhefe häufig Wunder.


🔸 Schritt 2: Eiweiß – das unterschätzte Fellwechselsignal


Viele vergessen, dass der Fellwechsel ein eiweißintensiver Prozess ist.


Duca bekam daher:

  • etwas Schwarzhafer
  • oder Luzerne (je nachdem, was verfügbar war)


Mehr zum Thema Eiweiß für Pferde kannst du auch hier nachlesen.


🔸 Schritt 3: Spurenelemente – Zink, Kupfer, Mangan


Duca erhielt ein hochwertiges Spurenelement-Präparat, um:

  • die Haut zu regenerieren
  • den Stoffwechsel anzuschieben
  • den Hormonhaushalt zu stabilisieren


Zink, Kupfer und Mangan sind besonders wichtig für ältere Pferde – und fehlen bei Strohbasierter Fütterung ohne Mineralfutter grundsätzlich.


Mehr zum Thema Spurenelemente für Pferde kannst du auch hier nachlesen.


Dazu gaben wir noch Mariendistel für die Leber und Mönchspfeffer in Absprache mit Tierheilpraktikerin.


Die Veränderung:

Zunächst passierte wenig. Dann passierte alles auf einmal. Eine Woche später lagen Fellbüschel über den gesamten Paddock verteilt. Duca war endlich im Fellwechsel. Mit jedem Tag wurde er leichter, freier, frischer. Seine Haut heilte. Sein Blick wurde klarer. Die Müdigkeit wich. Und seine Besitzerin atmete auf.


Der entscheidende Moment:


Rückblickend ist uns etwas sehr klar geworden: Duca brauchte kein Medikament, sondern eine auf seine aktuelle Situation angepasste Ernährung.


Und das Beste daran war, dass diese Unterstützung sanft, bezahlbar und ohne Nebenwirkungen war. Doch: Sie muss konsequent bleiben und man muss immer mal wieder neu überdenken.


Fazit:  Wer ein älteres Pferd strohbasiert füttert, sollte Spurenelemente, Eiweiß und Darmgesundheit NIEMALS unterschätzen.


Mehr dazu auch in diesem Artikel über Darmprobleme beim Pferd und warum das Mikrobiom der Schlüssel zur Pferdegesundheit ist.


💊 Und noch ein Wort zum Medikament – falls PPID doch bestätigt wird


In Spanien ist das klassische Cushing-Medikament Prascend® (Pergolid)

  • schwer erhältlich
  • teuer
  • oft nur über Tierärzte oder internationale Apotheken verfügbar


Und einmal begonnen, kann man es kaum wieder absetzen, weil der Körper sich hormonell darauf einstellt.


Seit 2024 gibt es allerdings eine europäische Alternative:

Pergocoat® Ebenfalls mit Pergolid, in verschiedenen Dosierungen – eventuell zukünftig leichter zu bekommen.

Doch egal welches Präparat:


Erst testen – dann entscheiden.


Fazit

Ducas Geschichte zeigt, wie wichtig es ist:

  • hinzuschauen,
  • Zusammenhänge zu erkennen,
  • und nicht vorschnell PPID zu rufen.


Mit der richtigen Fütterung und gezielten Ergänzungen lassen sich Cushing-ähnliche Symptome oft vollständig beheben – ohne Medikamente.


Wenn dein Pferd ähnliche Symptome hat oder du dich für eine Beratung interessierst, kannst du einfach hier klicken:

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Zur persönlichen Beratung hier auf Mallorca vor Ort.



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