Sommerekzem beim Pferd - warum Hautprobleme gerade im Sommer eskalieren
Viele Pferde wirken das ganze Jahr über ganz normal - und dann kommt der Sommer.
Und schon beginnt das Scheuern, der Juckreiz nimmt zu, die Haut reagiert empfindlich oder entzündet sich sogar. Für viele Pferdehalter wirkt das wie ein akutes Problem, das „einfach im Sommer auftritt“.
Wenn man sich intensiver mit dem Thema Pferdeernährung beschäftigt, bemerkt man etwas anderes:
Der Sommer ist selten die eigentliche Ursache. Er ist vielmehr der Moment, in dem ein bereits belastetes System sichtbar an seine Grenzen kommt.
Der Begriff Sommerekzem wird häufig sehr eng gefasst und ausschließlich mit Insektenstichen in Verbindung gebracht. Tatsächlich spielen Insekten eine zentrale Rolle, vor allem bei empfindlichen Pferden. Aber diese Erklärung greift oft zu kurz. Denn sie beantwortet nicht die entscheidende Frage:
Warum reagiert ein Pferd stark – und ein anderes unter denselben Bedingungen kaum?
Um das zu verstehen, muss man das Sommerekzem als ein multifaktorielles Geschehen betrachten.
Im Sommer kommen mehrere Belastungen gleichzeitig zusammen: eine hohe Insektendichte, steigende Temperaturen, vermehrtes Schwitzen und eine insgesamt erhöhte Stoffwechselaktivität. Diese Faktoren treffen auf ein individuelles System – und genau dieses System entscheidet darüber, wie stark das Pferd reagiert.
Ein wesentlicher, oft unterschätzter Faktor ist die Versorgung mit Spurenelementen.
Elemente wie Zink, Kupfer und Mangan sind entscheidend für die Hautgesundheit, die Immunfunktion und die Regeneration. Zink ist unter anderem an der Bildung einer stabilen Hautbarriere beteiligt, Kupfer spielt eine wichtige Rolle im Bindegewebe und bei der Pigmentierung, und Mangan ist an zahlreichen enzymatischen Prozessen beteiligt. Wenn diese Spurenelemente nicht ausreichend zur Verfügung stehen, wird die Haut anfälliger, regeneriert langsamer und reagiert schneller auf äußere Reize.
Dabei geht es in vielen Fällen nicht um einen klar messbaren Mangel, sondern um eine funktionelle Unterversorgung.
Das bedeutet: Die Nährstoffe sind vielleicht theoretisch vorhanden, stehen dem Körper aber nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, um alle Prozesse optimal aufrechtzuerhalten. Gerade im Sommer, wenn die Belastung steigt, wird diese Grenze häufig überschritten.
Eng damit verknüpft ist die Darmgesundheit.
Mehr dazu auch in folgenden Blogbeiträgen:
Darmprobleme beim Pferd - das Mikrobiom ist der Schlüssel
Der Darm entscheidet darüber, welche Nährstoffe tatsächlich im Stoffwechsel ankommen. Eine gestörte Darmflora, entzündliche Prozesse oder eine eingeschränkte Schleimhautfunktion können dazu führen, dass selbst gut zusammengestellte Rationen nicht optimal verwertet werden. In der Folge fehlen dem Körper genau die Bausteine, die er für eine stabile Haut und ein ausgeglichenes Immunsystem braucht. Gleichzeitig ist der Darm ein zentrales Organ für die Immunregulation – Störungen wirken sich daher oft direkt auf Hautreaktionen aus.
Auch die Leber spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Sie ist maßgeblich an der Entgiftung beteiligt und beeinflusst unter anderem den Histaminstoffwechsel. Wenn die Leber belastet ist, kann dies zu einer erhöhten Reizempfindlichkeit führen. In solchen Situationen übernimmt die Haut teilweise eine Art „Ausweichfunktion“, und es kommt verstärkt zu Juckreiz und Entzündungsreaktionen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist Stress – und zwar nicht nur im klassischen Sinne.
Im Sommer sind viele Pferde einem dauerhaften Insektenstress ausgesetzt. Sie stehen kaum still, schlagen mit dem Schweif, reagieren nervös und finden oft keine wirklichen Ruhephasen. Dieser Zustand bedeutet für den Körper eine kontinuierliche Aktivierung der Stressachse, mit Auswirkungen auf das Immunsystem und die Entzündungsregulation.
Hinzu kommt Hitzestress. Die Thermoregulation kostet Energie, verändert die Durchblutung und stellt zusätzliche Anforderungen an den Stoffwechsel. Neben diesen äußeren Faktoren gibt es auch inneren Stress, etwa durch Verdauungsprobleme, unausgewogene Fütterung oder körperliche Beschwerden. All diese Aspekte wirken zusammen und können die Reaktionsbereitschaft des Körpers deutlich erhöhen.
Hier kannst du Nachlesen, wie sich Stress auf das Mikrobiom auswirken kann.
Ein besonders wichtiger, oft unterschätzter Faktor ist der Schweiß.
Pferde können im Sommer – je nach Belastung – mehrere Liter Schweiß pro Stunde verlieren.
Dabei gehen nicht nur Wasser und Elektrolyte verloren, sondern auch in kleineren Mengen Spurenelemente.
Entscheidend ist hier weniger die absolute Menge, sondern die Ausgangssituation: Viele Pferde bewegen sich ohnehin im Bereich einer grenzwertigen Versorgung.
Durch den zusätzlichen Verlust im Sommer und gleichzeitig steigenden Bedarf kann daraus schnell eine funktionelle Unterversorgung entstehen.
Elektrolytmischungen gleichen zwar den Verlust von Natrium, Chlorid und Kalium aus und sind für den Flüssigkeitshaushalt wichtig, liefern jedoch keine relevanten Mengen an Spurenelementen. Das bedeutet, dass der Wasserhaushalt stabilisiert wird, während zentrale Stoffwechselprozesse weiterhin eingeschränkt sein können.
In diesem Zusammenhang spielt auch die Eiweißversorgung eine Rolle.
Viele Stoffwechselprozesse laufen über Enzyme, und Enzyme bestehen aus Eiweiß. Ohne ausreichend hochwertiges, dünndarmverdauliches Eiweiß können Spurenelemente ihre Wirkung nicht vollständig entfalten. Erst das Zusammenspiel beider Faktoren ermöglicht einen stabilen und leistungsfähigen Stoffwechsel.
Mehr dazu auch in meinem Blogbeitrag:
Eiweiß - Schlüsselfaktor für die Stoffwechselgesundheit
Auffällig ist, dass bestimmte Pferdetypen besonders häufig betroffen sind.
Dazu zählen unter anderem Friese, Tinker, Isländer sowie iberische Rassen wie PRE oder Lusitano. Diese Pferde gelten oft als robust und leichtfuttrig, was in der Praxis häufig zu einer eher zurückhaltenden Fütterung führt. Gleichzeitig bleibt ihr Bedarf an Spurenelementen im Verhältnis zum Körpergewicht bestehen.
Die Kombination aus geringerer Futtermenge und unverändertem Bedarf führt dazu, dass die Versorgung schneller in einen Grenzbereich rutscht. Es handelt sich also nicht zwingend um einen deutlich höheren Bedarf, sondern um eine geringere Toleranz gegenüber Unterversorgung. Entsprechend zeigen diese Pferde häufiger Hautprobleme wie Mauke, Raspe oder eben ein Sommerekzem.
Ein entscheidender Aspekt ist der zeitliche Verlauf.
Hautprobleme entstehen selten von heute auf morgen.
Oft entwickelt sich über Monate oder Jahre hinweg eine Situation, in der der Stoffwechsel zwar noch funktioniert, aber nicht mehr optimal arbeitet. Solange die Belastung moderat bleibt, kann der Körper das ausgleichen. Erst wenn im Sommer mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenkommen, wird das Problem sichtbar.
Ein sinnvoller Umgang mit dem Sommerekzem setzt daher nicht an einem einzelnen Punkt an, sondern betrachtet das Pferd als Gesamtsystem.
Die Basis bildet immer die Ration: Raufutterqualität, tatsächliche Fütterung und Mineralstoffversorgung sollten realistisch eingeschätzt werden. Darauf aufbauend ist es sinnvoll, die Spurenelementversorgung stabil und nicht nur minimal bedarfsdeckend zu gestalten. Ebenso wichtig ist ein Blick auf die Verdauung und die Frage, ob die aufgenommenen Nährstoffe überhaupt effizient genutzt werden können.
Zusätzlich sollte berücksichtigt werden, wie stark das Pferd schwitzt und ob neben Elektrolyten auch die Mineralstoffversorgung entsprechend angepasst wird. Parallel dazu lohnt es sich, Stressfaktoren zu reduzieren – sei es durch ein besseres Insektenmanagement, geeignete Haltungsbedingungen oder eine insgesamt ruhigere Umgebung.
Das Sommerekzem ist damit kein isoliertes Hautproblem, sondern Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels aus äußeren Einflüssen und innerer Stoffwechsellage. Der Sommer wirkt dabei wie ein Verstärker. Was zuvor noch kompensiert werden konnte, tritt deutlich hervor – und genau hier liegt auch die Chance, die Ursachen systematisch zu erkennen und gezielt anzugehen.
Gerne helfe ich dir dabei. Hier findest du weitere Informationen über meine Angebote
Handout: Sommerekzem beim Pferd – mögliche Ursachen erkennen & sinnvoll ansetzen
Ziel dieses Handouts: Es soll dir helfen, typische Belastungsfaktoren bei Sommerekzem besser einzuordnen. Kein Ersatz für Tierarzt oder Diagnostik – aber eine strukturierte Orientierung.
1. Erste Einordnung:
Wann zeigt dein Pferd Symptome?
☐ Nur im Sommer
☐ Frühling bis Herbst
☐ Ganzjährig, im Sommer schlimmer
☐ Ganzjährig konstant
Wie schnell tritt es auf?
☐ Jedes Jahr plötzlich
☐ Langsam zunehmend über Jahre
☐ Erst seit kurzem neu
☐ Nach Stall-/Futterwechsel begonnen
Hinweis:
Ganzjährig oder neu auftretende Probleme sprechen oft dafür, breiter zu schauen als nur „Insekten“.
2. Wie stark ist die Insektenbelastung?
☐ Viele Mücken / Gnitzen am Stall
☐ Pferd steht viel draußen in Dämmerung
☐ Unruhig auf der Weide
☐ Schweifschlagen / Kopfschlagen
☐ scheuert sich nach dem Rausstellen
Ansatz:
Insektenmanagement verbessern (Zeiten, Decke, Standort, Wind, Stallphasen).
3. Stressfaktoren prüfen
Äußerer Stress
☐ Hitze
☐ wenig Schatten
☐ häufiges Schwitzen
☐ Herdenstress
☐ wenig Ruhephasen
Innerer Stress
☐ Verdauungsprobleme
☐ Nervosität
☐ häufige Unruhe
☐ Schmerzen / Verspannungen
☐ ständiger Hunger / Futterstress
Hinweis:
Stress kann Hautreaktionen deutlich verstärken.
4. Fütterung ehrlich prüfen
Raufutter
☐ gutes Heu
☐ viel Stroh
☐ wenig Struktur
☐ stark wechselnde Qualität
☐ unklare Mengen
Kraft-/Zusatzfutter
☐ viele verschiedene Produkte
☐ häufige Wechsel
☐ sehr energiereiche Ration
☐ kaum Ergänzung
Frage:
Ist die Ration wirklich durchdacht – oder historisch gewachsen?
5. Mineralstoffversorgung prüfen
Wird ein Mineralfutter gefüttert?
☐ Ja, täglich
☐ unregelmäßig
☐ nur manchmal
☐ nein
Wichtig besonders bei Hautproblemen:
☐ Zink
☐ Kupfer
☐ Mangan
☐ Selen (angepasst)
☐ Jod (situationsabhängig)
Hinweis:
Die ausreichende Versorgung mit Spurenelementen z.B. in Form eines Mineralfutters ist absolut notwendig. Insbesondere bei Hautthemen.
6. Schweiß & Sommerverluste
☐ Pferd schwitzt schnell
☐ schwitzt stark bei Wärme
☐ arbeitet im Sommer viel
☐ bekommt nur Elektrolyte
☐ keine Anpassung der Mineralversorgung
Wichtig:
Elektrolyte ersetzen nicht automatisch Spurenelemente.
7. Darm & Verdauung prüfen
☐ Kotwasser
☐ wechselnder Kot
☐ Blähbauch
☐ schlechte Futterverwertung
☐ empfindlich bei Futterwechsel
☐ frühere Darmprobleme
Hinweis:
Ein belasteter Darm kann Nährstoffaufnahme und Immunlage verschlechtern.
8. Welche Pferde reagieren oft sensibler?
☐ Friese
☐ Tinker
☐ Isländer
☐ PRE
☐ Lusitano
☐ leichtfuttriger Typ
9. Deine persönliche Auswertung
Wenn du bei mehreren Punkten ein "X" gesetzt hast, lohnt es sich meist, nicht nur Symptome zu behandeln, sondern Ursachen strukturiert anzugehen.
Oft sind beteiligt:
- Insekten + Stress
- grenzwertige Spurenelementversorgung
- Verdauungsthemen
- Schweißverluste
- unpassende Ration
10. Nächster sinnvoller Schritt
Wenn dir dieses Handout geholfen hat und du selbst weiterkommst: sehr gut.
Wenn du das Gefühl hast, dein Pferd braucht einen klaren Plan statt weiterer Versuche, unterstütze ich dich gerne.
Zum Beispiel mit meinem neuen Angebot:
Dem Fütterungs-Quickcheck - mit dem ich dir eine schnelle Einschätzung deiner Fütterungssituation und Hinweise zur Optimierung der Ration.
So läuft es ab:
1. Anamnesebogen ausfüllen
Ich schicke dir meinen Anamnesebogen und du sendest mir alle relevanten Informationen.
2. Analyse
Ich prüfe deine Angaben individuell.
3. Rückmeldung
Du erhältst eine kompakte Einschätzung mit Empfehlungen.
Preis
39 € inkl. Spanischer Mehrwertsteuer
*Nicht enthalten ist die detaillierte Rationsanalyse. Aber solltest du dich im Anschluss für eine Online-Beratung oder eine Mallorca -vor Ort-Beratung entscheiden, rechne ich dir die Kosten für den Schnellcheck zu 100 % an.

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