Warum Stoffwechselprobleme beim Pferd oft zu spät auffallen

Steffi Ulrich • 25. März 2026

Der stille Zusammenbruch

Viele Fütterungsfehler, kleine Mängel oder Ungleichgewichte bleiben über Jahre unbemerkt. Ganz einfach, weil Pferde Meister im Kompensieren sind.

Und ja, solange das Pferd gesund wirkt, es gut frisst und sich normal bewegt, ist ja auch alles im grünen Bereich. Vielleicht gibt es kleinere Auffälligkeiten – ein etwas schwieriger Fellwechsel, etwas weniger Muskulatur, hier und da Unruhe oder auch mal Kotwasser…


Aber nichts, was sofort beunruhigt oder nach einem echten Problem aussieht.


Und dann, irgendwann, verändert sich etwas. Plötzlich passt es nicht mehr. Das Pferd baut ab. Die Haut wird empfindlicher. Der Stoffwechsel scheint „aus dem Gleichgewicht geraten“. Nicht selten fallen dann Begriffe wie Cushing, Stoffwechselstörung oder chronische Probleme. Für viele Pferdehalter kommt dieser Moment überraschend. Denn bis dahin war doch alles gut.


„Ich füttere mein Pferd doch schon immer so und immer war alles gut“
 

Warum kippt der Stoffwechsel dann so plötzlich aus dem Nichts?


Die Antwort ist sehr einfach: Der Stoffwechsel deines Pferdes bricht nicht plötzlich zusammen. Sondern erst, wenn alle Kompensationsfähigkeiten ausgereizt sind.

Und davon hat das Pferd eine unglaubliche Menge. Und so werden Fehler in der Fütterung oder im Management nicht selten über Jahre kompensiert. Und erst, wenn diese Kompensation an ihre Grenzen kommt, werden Probleme plötzlich sichtbar. Was dann wie ein plötzlicher Zusammenbruch wirkt, ist in Wahrheit das Ende eines langen, stillen Prozesses.


Was der Körper im Hintergrund ausgleichen muss


Es sind selten große Fehler. Es sind viele kleine Ungleichgewichte, die sich oft über lange Zeit summieren.

Ein leicht unausgewogenes Verhältnis von Nährstoffen. Eine Versorgung, die „irgendwie passt“, aber nicht optimal ist. Ein Darm, der nicht mehr vollständig stabil arbeitet. Stress, der zusätzlich auf das System wirkt. Für sich genommen oft unauffällig. In Kombination irgendwann einfach zu viel.


Die Schlüsselelemente eines funktionierenden Pferde-Stoffwechsels


Ein funktionierender Stoffwechsel ist auf mehrere Schlüsselelemente angewiesen – und zwar nicht nur in der richtigen Menge, sondern vor allem im richtigen Zusammenspiel. Eines der wichtigsten und zugleich am meisten missverstandenen Elemente ist das Eiweiß.


1. Eiweiß – Baustein für Aufbau und Regeneration


Eiweiß ist nicht einfach nur „für Muskeln“ zuständig. Es wird für nahezu alle Aufbau- und Reparaturprozesse im Körper benötigt – von der Muskulatur bis zum Immunsystem. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität. Ein Mangel oder eine schlechte Verfügbarkeit bleibt oft lange unbemerkt.  Der Körper gleicht aus – bis Substanz verloren geht.


Gleichzeitig gehört Eiweiß zu den am häufigsten missverstandenen Nährstoffen in der Pferdefütterung.  Während früher oft pauschal vor „zu viel Eiweiß“ gewarnt wurde, zeigt sich heute ein deutlich differenzierteres Bild: Nicht die Menge allein entscheidet, sondern vor allem die Verdaulichkeit – insbesondere im Dünndarm.


→ Mehr zu diesem spannenden Lebensbaustein findest du in meinem Blogbeitrag: Eiweiß – Schlüsselfaktor für die Stoffwechselgesundheit unserer Pferde


2. Spurenelemente – die unsichtbaren Regler


Spurenelemente wie Zink, Kupfer oder Mangan steuern eine Vielzahl enzymatischer Prozesse. Ohne sie läuft der Stoffwechsel nicht sauber.


Das Problem:


Ein Mangel fällt selten sofort auf. Stattdessen zeigen sich schleichende Veränderungen – in Haut, Fell, Hufen und im Immunsystem.

Gerade in der heutigen Fütterung wird ihre Bedeutung oft unterschätzt. Denn moderne Rationen liefern nicht immer automatisch eine ausreichende Versorgung – insbesondere dann, wenn die Basis nicht optimal abgestimmt ist.


Auch hier gilt:


Nicht nur die Menge ist entscheidend, sondern das richtige Verhältnis und die tatsächliche Verfügbarkeit im Körper.


→ Mehr dazu findest du in meinem Blogbeitrag: Spurenelemente beim Pferd – Schlüsselfaktor für einen funktionierenden Stoffwechsel


3. Der Darm – Zentrum der Verwertung


Der Darm entscheidet darüber, was überhaupt im Körper ankommt. Selbst eine gut aufgebaute Ration bringt wenig, wenn die Aufnahme gestört ist.

Ein instabiles Mikrobiom kann dazu führen, dass Nährstoffe nicht richtig verwertet werden – auch dann, wenn sie eigentlich ausreichend vorhanden wären.


Und genau hier liegt einer der am häufigsten übersehenen Zusammenhänge:


Viele Pferde werden „korrekt“ gefüttert – und haben trotzdem Probleme. Nicht, weil das Futter grundsätzlich falsch ist,  sondern weil der Darm nicht mehr optimal arbeitet. Das bleibt oft lange unbemerkt, wirkt aber im Hintergrund kontinuierlich.


Typische Anzeichen können sein:


Kotwasser, ein empfindlicher Darm oder immer wiederkehrende Verdauungsprobleme – oft trotz scheinbar passender Fütterung.

Und genau dann wird häufig an einzelnen Stellschrauben gedreht: anderes Heu, Ergänzungsfuttermittel, Darmsanierung, ein neues Mineralfutter.

Doch solange die Basis – das Mikrobiom – nicht stabil ist, bleiben viele dieser Maßnahmen ohne nachhaltigen Effekt.


→ Mehr dazu findest du in meinem Blogbeitrag: Darmprobleme beim Pferd? Das Mikrobiom ist der Schlüssel


4. B-Vitamine – abhängig vom System


B-Vitamine werden zum Großteil im Darm gebildet. Das bedeutet: Ihre Verfügbarkeit hängt direkt von der Darmgesundheit ab. Gerät das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, kann es hier schnell zu Engpässen kommen – mit Auswirkungen auf Nerven, Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit.


Mehr zum Thema B-Vitamine und ihre Funktionen kannst du in meinem Artikel über B-Vitamine nachlesen.


5. Fettsäuren – Regulation und Zellfunktion


Essenzielle Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen und der Stabilität von Zellmembranen. Ein Ungleichgewicht kann langfristig zu einer erhöhten Anfälligkeit für entzündliche Prozesse führen.


Auch hier gilt:


Die Effekte sind selten sofort sichtbar. Hier geht es zu meinem Blogartikel über essenzielle Fettsäuren.


Warum einzelne Bausteine nicht ausreichen


Ein häufiger Denkfehler in der Pferdefütterung: Probleme werden isoliert betrachtet – und ebenso isoliert behandelt. Doch der Stoffwechsel funktioniert nicht wie ein Baukastensystem. Eiweiß allein löst kein Problem, wenn Spurenelemente fehlen. Spurenelemente helfen wenig, wenn der Darm gestört ist. Ein gestörter Darm beeinflusst wiederum die Bildung von B-Vitaminen. Es ist immer das Zusammenspiel, das entscheidet. Nicht der einzelne Faktor.


Wenn die Kompensation endet


Solange der Körper ausgleichen kann, bleibt vieles stabil. Doch jede Kompensation kostet Energie und Substanz. Irgendwann ist dieser Ausgleich nicht mehr möglich.


Und genau dann werden die Probleme sichtbar:


  • Der Fellwechsel funktioniert nicht mehr richtig
  • Muskulatur baut ab
  • Haut und Hufe reagieren empfindlich
  • das Pferd wird anfälliger für Stress
  • Stoffwechselerkrankungen treten in den Vordergrund


Was wie ein plötzlicher Einbruch wirkt,  ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines langen Prozesses.


Was das für die Praxis bedeutet


Nicht jede Erkrankung lässt sich allein über die Fütterung erklären.


Aber: Die Fütterung entscheidet maßgeblich darüber,  wie stabil ein Pferd langfristig bleibt – oder wie schnell ein System an seine Grenzen kommt.

Wer nur Symptome betrachtet, greift oft zu kurz. Entscheidend ist das Verständnis für die Zusammenhänge.

 

Fazit: Der Stoffwechsel deines Pferdes ist kein statisches System. Er ist anpassungsfähig, belastbar – und erstaunlich tolerant gegenüber Fehlern.

Doch diese Toleranz ist nicht unbegrenzt. Was lange unauffällig bleibt, kann sich über Zeit zu einem Problem entwickeln.


Deshalb habe ich in meiner Fütterungsberatung auch den Fokus darauf, die Fütterung als Ganzes zu betrachten und so zu optimieren, dass daraus eine „bedarfsgerechte“ Ration entsteht. Denn genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Pferd dauerhaft stabil bleibt – oder irgendwann aus dem Gleichgewicht gerät.


Wenn du eine Beratung bei mir buchen möchtest, kannst du das hier direkt tun:

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