Spurenelemente beim Pferd – Schlüsselfaktor für einen funktionierenden Stoffwechsel

Steffi Ulrich • 7. Dezember 2025

Spurenelemente in der modernen Pferdefütterung – Warum Heu oft nicht mehr reicht und Stroh die Versorgung zusätzlich fordert

In der Pferdefütterung hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Während Pferde früher auf vielfältigen, mineralstoffreichen Wiesen standen, basiert ihre Ernährung heute fast vollständig auf konserviertem Raufutter – vor allem Heu.

Und genau hier beginnt ein oft unterschätztes Problem:

 👉 Heu liefert heute weit weniger Spurenelemente als früher.
👉 Und wer zusätzlich
Stroh als strukturreiches, stoffwechselentlastendes Raufutter nutzt, muss noch genauer hinschauen. Denn Stroh ist hinsichtlich Mengenelemente sehr gut aufgestellt. ABER grundsätzlich noch ärmer hinsichtlich Spurenelemente.

Spurenelemente sind winzig – aber ihre Bedeutung für den Stoffwechsel ist riesig.

Sie entscheiden mit über Energiegewinnung, Entgiftung, Hautgesundheit, Insulinstabilität, Hufqualität und die Funktion von über hundert Enzymsystemen.


Hier die wichtigsten Spurenelemente und ihre Funktion für den Pferdestoffwechsel:


1. Zink – der Hautschutzfaktor

Unverzichtbar für:

  • Haut, Fell, Hufe
  • Immunsystem
  • Enzymaktivität
  • Entgiftung

Sowohl Heu als auch Stroh enthalten heute häufig zu wenig Zink.
Eine Ergänzung ist fast immer notwendig.


2. Kupfer – für Pigmentierung und Bindegewebe

Wichtig für:

  • Fellfarbe
  • Hufwachstum
  • Kollagenbildung
  • Blutbildung

Helle Maulränder oder stumpfes Fell sind Klassiker bei Kupfermangel.
Moderne Heuqualitäten reichen selten aus – bei Stroh erst recht nicht.


3. Mangan – unverzichtbar für Knorpel und Stoffwechsel

Wichtig für:

  • Gelenke
  • Knorpelqualität
  • Fruchtbarkeit
  • Glukoseverwertung (relevant bei EMS/Rehe)

Im Stroh praktisch nicht vorhanden, im Heu oft knapp.
Gerade stoffwechselempfindliche Pferde brauchen mehr.


4. Selen – kleines Element, große Wirkung

Essentiell für:

  • Muskulatur
  • Schilddrüse
  • antioxidativen Schutz
  • Immunsystem

Deutschland und Spanien sind Selenmangelgebiete.
Über Heu oder Stroh wird Selen kaum ausreichend aufgenommen.


5. Jod – wichtig für die Schilddrüse

Heu und Stroh enthalten so gut wie kein Jod.
Eine jodhaltige Mineralstoffquelle ist notwendig.


6. Eisen – häufig zu viel statt zu wenig

Im Gegensatz zu den anderen Spurenelementen ist Eisen in Stroh (und manchem Heu) reichlich vorhanden.

Zu viel Eisen kann:

  • Zink hemmen
  • Kupfer blockieren
  • Entzündungen begünstigen

Deshalb gilt:
➡️ Eisen nur ergänzen, wenn wirklich notwendig – idealerweise nach Analyse.

Warum auch gutes Heu heute oft zu wenig Spurenelemente liefert

Heu ist nach wie vor die Basis fast jeder Ration in Mitteleuropa. Doch moderne Bedingungen führen dazu, dass es häufig arm an Spurenelementen  ist.


❗ Hier die wichtigsten Gründe:


1. Ausgelaugte Böden

Zink, Kupfer, Selen und Mangan fehlen zunehmend in den Böden – und damit im Heu.

2. Mehrere Schnitte pro Jahr

Pflanzen haben weniger Zeit, Mineralstoffe aufzunehmen.
Jeder weitere Schnitt entzieht dem Boden zusätzlich Nährstoffe.

3. Früher Schnittzeitpunkt

Für hygienisch gutes Heu sinnvoll –
für Mineralstoffgehalte schlecht, denn junge Pflanzen enthalten weniger Spurenelemente.

4. Artenarme Intensivwiesen

Kräuterreiche, tiefwurzelnde Pflanzen verschwinden.
Die Folge: Heu mit weniger Vielfalt, weniger Mineralien – aber oft mehr Energie.

Das bedeutet:
👉
Heu allein deckt den Spurenelementbedarf schon lange nicht mehr zuverlässig.
Viele Pferde leben mit leichten oder deutlichen Unterversorgungen, ohne dass es auffällt – bis Symptome sichtbar werden.



Und was ist mit STROH?

Immer mehr Pferdehalter überlegen, Stroh als Ergänzung oder als festen Bestandteil der Ration einzusetzen – aus guten Gründen:

  • strukturreich
  • zuckerarm
  • sättigend
  • ideal für EMS-, Rehe- und PSSM-Pferde
  • fresszeitverlängernd und magenfreundlich

Doch während Stroh für den Stoffwechsel entlastend sein kann, stellt es uns in Bezug auf die Spurenelementversorgung vor eine klare Herausforderung:

👉 Stroh enthält viel Eisen aber sonst kaum Spurenelemente.
👉 Je höher der Strohanteil, desto wichtiger wird ein gutes Mineralfutter.

Oder anders gesagt:
Stroh ist wertvoll – aber nur mit gezielter Mikronährstoffergänzung.

Wenn der Stoffwechsel entgleist – warum Spurenelemente dann unverzichtbar sind

Pferde mit EMS, Rehe, Kotwasser, PSSM, Ekzem oder hormonellen Problemen benötigen überdurchschnittlich viele Spurenelemente.

Warum?

Weil der Stoffwechsel im Stressmodus mehr arbeitet – und dafür mehr Mikronährstoffe verbraucht.

Fehlen Zink, Kupfer, Mangan oder Selen, geraten zentrale Prozesse ins Stocken – selbst bei guter Energieversorgung.

Spurenelemente sind die Schalter, die den Stoffwechsel an- und am Laufen halten.



Hier noch ein Hinweis zu einem weiteren Schlüsselfaktor für einen funktionierenden Stoffwechsel: Eiweiß

Spurenelemente & Eiweiß arbeiten zusammen

Spurenelemente sind ein Schlüsselfaktor für den Stoffwechsel.
Ein zweiter, ebenso wichtiger ist:

👉 gut verdauliches Eiweiß (Dünndarmprotein)

Viele Pferde zeigen Symptome wie:

  • schwache Muskulatur
  • schlechte Hufqualität
  • matte Fellstruktur
  • schwaches Bindegewebe

und die Ursache ist eine Kombination aus Spurenelementmangel und unzureichendem Eiweiß, nicht selten trotz ausreichend gefüllter Raufen.

➡️ Hier kannst du meinen Artikel über Eiweiß abrufen


Fazit: Spurenelemente – der unsichtbare Motor deiner Ration

Egal ob du Heu pur fütterst oder Stroh integrierst:

  • Heu liefert heute nicht mehr so viele Spurenelemente wie früher
  • Stroh ist fast spurenelementfrei, aber stoffwechselentlastend
  • Pferde mit Stoffwechsel-, Huf-, Haut-, Muskel- oder Darmthemen brauchen mehr als Standard-Mineralfutter oft bietet

👉 Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod gehören zu den Elementen, die du immer im Blick haben solltest.
👉 Ein genauer Blick auf die Gesamtration verhindert Über- oder Unterversorgung.



📘 Mehr dazu in meinem Buch

Wer tiefer einsteigen möchte – in Themen wie:

  • Was gutes Heu wirklich ausmacht
  • Wie man Stroh sinnvoll und sicher in Rationen integriert
  • Wie Spurenelemente, Eiweiß und Stoffwechsel zusammenhängen
  • Worauf man bei EMS-, Rehe-, Ekzem- und PSSM-Pferden achten muss
  • Praktische Rationsbeispiele

… findet umfangreiche, praxisnahe Erklärungen und Anleitungen in meinem Buch:

👉 Keine Angst vor STROH – das vergessene Gold in der Pferdefütterung, das du überall im Buchhandel und online bestellen kannst.

Hier findest du mehr Informationen darüber: https://www.pferdemaedels.com/buecher


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