Spurenelemente beim Pferd – Schlüsselfaktor für einen funktionierenden Stoffwechsel
Spurenelemente in der modernen Pferdefütterung – Warum Heu oft nicht mehr reicht und Stroh die Versorgung zusätzlich fordert
In der Pferdefütterung hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Während Pferde früher auf vielfältigen, mineralstoffreichen Wiesen standen, basiert ihre Ernährung heute fast vollständig auf konserviertem Raufutter – vor allem Heu.
Und genau hier beginnt ein oft unterschätztes Problem:
👉
Heu liefert heute weit weniger Spurenelemente als früher.
👉 Und wer zusätzlich
Stroh als strukturreiches, stoffwechselentlastendes Raufutter nutzt, muss noch genauer hinschauen. Denn Stroh ist hinsichtlich Mengenelemente sehr gut aufgestellt. ABER grundsätzlich noch ärmer hinsichtlich Spurenelemente.
Spurenelemente sind winzig – aber ihre Bedeutung für den Stoffwechsel ist riesig.
Sie entscheiden mit über Energiegewinnung, Entgiftung, Hautgesundheit, Insulinstabilität, Hufqualität und die Funktion von über hundert Enzymsystemen.
Hier die wichtigsten Spurenelemente und ihre Funktion für den Pferdestoffwechsel:
1. Zink – der Hautschutzfaktor
Unverzichtbar für:
- Haut, Fell, Hufe
- Immunsystem
- Enzymaktivität
- Entgiftung
Sowohl Heu als auch Stroh enthalten heute häufig
zu wenig Zink.
Eine Ergänzung ist fast immer notwendig.
2. Kupfer – für Pigmentierung und Bindegewebe
Wichtig für:
- Fellfarbe
- Hufwachstum
- Kollagenbildung
- Blutbildung
Helle Maulränder oder stumpfes Fell sind Klassiker bei Kupfermangel.
Moderne Heuqualitäten reichen selten aus – bei Stroh erst recht nicht.
3. Mangan – unverzichtbar für Knorpel und Stoffwechsel
Wichtig für:
- Gelenke
- Knorpelqualität
- Fruchtbarkeit
- Glukoseverwertung (relevant bei EMS/Rehe)
Im Stroh praktisch nicht vorhanden, im Heu oft knapp.
Gerade stoffwechselempfindliche Pferde brauchen mehr.
4. Selen – kleines Element, große Wirkung
Essentiell für:
- Muskulatur
- Schilddrüse
- antioxidativen Schutz
- Immunsystem
Deutschland und Spanien sind
Selenmangelgebiete.
Über Heu oder Stroh wird Selen kaum ausreichend aufgenommen.
5. Jod – wichtig für die Schilddrüse
Heu und Stroh enthalten
so gut wie kein Jod.
Eine jodhaltige Mineralstoffquelle ist notwendig.
6. Eisen – häufig zu viel statt zu wenig
Im Gegensatz zu den anderen Spurenelementen ist Eisen in Stroh (und manchem Heu) reichlich vorhanden.
Zu viel Eisen kann:
- Zink hemmen
- Kupfer blockieren
- Entzündungen begünstigen
Deshalb gilt:
➡️ Eisen nur ergänzen, wenn wirklich notwendig – idealerweise nach Analyse.
Warum auch gutes Heu heute oft zu wenig Spurenelemente liefert
Heu ist nach wie vor die Basis fast jeder Ration in Mitteleuropa. Doch moderne Bedingungen führen dazu, dass es häufig arm an Spurenelementen ist.
❗ Hier die wichtigsten Gründe:
1. Ausgelaugte Böden
Zink, Kupfer, Selen und Mangan fehlen zunehmend in den Böden – und damit im Heu.
2. Mehrere Schnitte pro Jahr
Pflanzen haben weniger Zeit, Mineralstoffe aufzunehmen.
Jeder weitere Schnitt entzieht dem Boden zusätzlich Nährstoffe.
3. Früher Schnittzeitpunkt
Für hygienisch gutes Heu sinnvoll –
für Mineralstoffgehalte schlecht, denn junge Pflanzen enthalten weniger Spurenelemente.
4. Artenarme Intensivwiesen
Kräuterreiche, tiefwurzelnde Pflanzen verschwinden.
Die Folge: Heu mit weniger Vielfalt, weniger Mineralien – aber oft mehr Energie.
Das bedeutet:
👉
Heu allein deckt den Spurenelementbedarf schon lange nicht mehr zuverlässig.
Viele Pferde leben mit leichten oder deutlichen Unterversorgungen, ohne dass es auffällt – bis Symptome sichtbar werden.
Und was ist mit STROH?
Immer mehr Pferdehalter überlegen, Stroh als Ergänzung oder als festen Bestandteil der Ration einzusetzen – aus guten Gründen:
- strukturreich
- zuckerarm
- sättigend
- ideal für EMS-, Rehe- und PSSM-Pferde
- fresszeitverlängernd und magenfreundlich
Doch während Stroh für den Stoffwechsel entlastend sein kann, stellt es uns in Bezug auf die Spurenelementversorgung vor eine klare Herausforderung:
👉
Stroh enthält viel Eisen aber sonst kaum Spurenelemente.
👉 Je höher der Strohanteil, desto wichtiger wird ein gutes Mineralfutter.
Oder anders gesagt:
Stroh ist wertvoll – aber nur mit gezielter Mikronährstoffergänzung.
Wenn der Stoffwechsel entgleist – warum Spurenelemente dann unverzichtbar sind
Pferde mit EMS, Rehe, Kotwasser, PSSM, Ekzem oder hormonellen Problemen benötigen überdurchschnittlich viele Spurenelemente.
Warum?
Weil der Stoffwechsel im Stressmodus mehr arbeitet – und dafür mehr Mikronährstoffe verbraucht.
Fehlen Zink, Kupfer, Mangan oder Selen, geraten zentrale Prozesse ins Stocken – selbst bei guter Energieversorgung.
Spurenelemente sind die Schalter, die den Stoffwechsel an- und am Laufen halten.
Hier noch ein Hinweis zu einem weiteren Schlüsselfaktor für einen funktionierenden Stoffwechsel: Eiweiß
Spurenelemente & Eiweiß arbeiten zusammen
Spurenelemente sind ein Schlüsselfaktor für den Stoffwechsel.
Ein zweiter, ebenso wichtiger ist:
👉 gut verdauliches Eiweiß (Dünndarmprotein)
Viele Pferde zeigen Symptome wie:
- schwache Muskulatur
- schlechte Hufqualität
- matte Fellstruktur
- schwaches Bindegewebe
und die Ursache ist eine Kombination aus Spurenelementmangel und unzureichendem Eiweiß, nicht selten trotz ausreichend gefüllter Raufen.
➡️ Hier kannst du meinen Artikel über Eiweiß abrufen
Fazit: Spurenelemente – der unsichtbare Motor deiner Ration
Egal ob du Heu pur fütterst oder Stroh integrierst:
- Heu liefert heute nicht mehr so viele Spurenelemente wie früher
- Stroh ist fast spurenelementfrei, aber stoffwechselentlastend
- Pferde mit Stoffwechsel-, Huf-, Haut-, Muskel- oder Darmthemen brauchen mehr als Standard-Mineralfutter oft bietet
👉
Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod gehören zu den Elementen, die du immer im Blick haben solltest.
👉 Ein genauer Blick auf die Gesamtration verhindert Über- oder Unterversorgung.
📘 Mehr dazu in meinem Buch
Wer tiefer einsteigen möchte – in Themen wie:
- Was gutes Heu wirklich ausmacht
- Wie man Stroh sinnvoll und sicher in Rationen integriert
- Wie Spurenelemente, Eiweiß und Stoffwechsel zusammenhängen
- Worauf man bei EMS-, Rehe-, Ekzem- und PSSM-Pferden achten muss
- Praktische Rationsbeispiele
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