Stroh für´s Pferd – Arten, Eignung & Unterschiede zu Heu, Garba und Grünhafer

Steffi Ulrich • 6. Mai 2026

Welches ist das beste Stroh für Pferde?

Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat: Stroh hat in der Pferdefütterung noch immer ein schlechtes Image. Für viele ist es entweder Einstreu oder ein billiger Füllstoff. Gleichzeitig wird viel darüber diskutiert, ob Weizenstroh, Haferstroh oder Gerstenstroh „besser“ ist. Aber entscheidend ist viel weniger die Strohart als die Frage der Qualität.


Was ist Futterstroh? Und was ist Einstreu?


Wenn Stroh gefüttert wird, ist es kein Nebenprodukt mehr, sondern Teil der Ration. Und damit sollte es auch genauso streng beurteilt werden wie Heu. Bei der Qualitätsbeurteilung geht es weniger darum, ob Weizen, Gerste oder Hafer, sondern vor allem um Qualität, Herkunft und den Umgang im Anbau.


Stroharten und ihre Eignung als Pferdefutter


  • Weizenstroh – gleichmäßige Struktur

Weizenstroh wird in der Pferdefütterung häufig eingesetzt. Die Halme sind meist relativ gleichmäßig aufgebaut und besitzen eine mittlere Struktur. Dadurch lässt es sich in vielen Rationen gut verwenden.


Im Nährwert liegt Weizenstroh im typischen Bereich von Stroh:

  • niedriger Eiweißgehalt
  • geringe Energiedichte
  • hoher Rohfaseranteil


Die tatsächliche Qualität hängt jedoch – wie bei allen Stroharten – stark von Erntezeitpunkt, Lagerung und Herkunft ab.

 

  • Gerstenstroh – Unterschiede in der Struktur

Gerstenstroh kann sich je nach Sorte und Erntebedingungen deutlich unterscheiden.

Es gibt weiche Varianten, die gut gefressen werden und sich problemlos in der Fütterung einsetzen lassen.

Daneben gibt es härtere Formen mit Halmen, die wie lackiert wirken, wie zum Beispiel die Braugerste. Diese ist generell schwerer verdaulich und wird auch nicht gerne gefressen. Von daher ist es ratsam, die weiche Gerste zu füttern.

 

  • Haferstroh – häufig gute Akzeptanz

Haferstroh wird von vielen Pferden gerne gefressen ist aber meist etwas härter als z.B. Weizen. Dennoch wird sie in der Regel gerne gefressen. Ihr Energiegehalt ist meist niedriger als der von Gerstenstroh.

 

  • Roggenstroh – hoher Ligningehalt

Roggenstroh ist stärker verholzt als andere Stroharten. Die Halme sind häufig dicker, härter und ligninreicher.

Dadurch sinken Verdaulichkeit und Akzeptanz. Roggenstroh liefert zwar viel Struktur, darf prinzipiell auch verfüttert werden, aber besser nur eingeschränkt oder als Beimischung eingesetzt.

 

  • Urweizenstroh

Auch sogenannte Urweizenarten wie Einkorn, Emmer oder Dinkel könnten für die Pferdefütterung interessant sein. Im Gegensatz zu modernen Hochleistungsweizen besitzen viele dieser alten Sorten noch längere, kräftigere Halme und oft eine robustere Struktur.


Ihr Stroh gilt häufig als besonders strukturreich und weniger „weich gezüchtet“. Gerade für leichtfuttrige Pferde oder zur Verlängerung der Fresszeiten kann das interessant sein. Früher spielte nicht nur das Korn, sondern auch das Stroh eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Moderne Züchtungen wurden dagegen vor allem auf hohen Kornertrag optimiert – die Qualität des Strohs rückte zunehmend in den Hintergrund.


Ob Urweizenstroh tatsächlich Vorteile bietet, hängt wie immer stark von Qualität, Ernte und Lagerung ab. Dennoch zeigt es, dass alte Kulturpflanzen möglicherweise auch für eine moderne, strukturbetonte Pferdefütterung wieder spannender werden könnten.


Insgesamt gilt:

Alle Stroharten haben einen niedrigen Eiweißgehalt, eine geringe Energiedichte und einen hohen Anteil schwer verdaulicher Faser. Die Unterschiede entstehen weniger durch die Getreideart selbst als durch Reifegrad, Sorte, Witterung und Lagerung.


Verdaulichkeit von Stroh:

Stroh stellt höhere Anforderungen an den Verdauungstrakt. Früher war Strohfütterung auch in Mitteleuropa üblich. Durch die zunehmende Verbreitung von 24/7 Heu für Pferde scheinen viele Pferde einfach „verlernt“ zu haben, wie man Stroh verdaut.


Mehr dazu auch in meinem Artikel: Darmprobleme beim Pferd & die Rolle des Mikrobioms


Strohfütterung und Mineralisierung

Ein Punkt, der bei der Strohfütterung oft unterschätzt wird, ist die Mineralversorgung. Schon heute reicht bei vielen Pferden selbst eine reine Heufütterung nicht mehr aus, um den Bedarf an Spurenelementen zuverlässig zu decken. Wird zusätzlich Stroh gefüttert, sollte noch stärker auf eine passende Mineralisierung geachtet werden.


Das betrifft vor allem Spurenelemente wie:

  • Zink
  • Kupfer
  • Mangan
  • Selen


Zwar enthalten auch Stroharten gewisse Mengen dieser Stoffe, durch den hohen Anteil an unverdaulicher Faser stehen sie dem Pferd jedoch nur begrenzt zur Verfügung. Stroh ist deshalb kein verlässlicher Spurenelementlieferant. Auch nicht Haferstroh, das recht viel Zink enthält.


Wer Stroh in die Ration integriert, sollte deshalb nicht nur auf Energie und Struktur achten, sondern auch auf ein Mineralfutter mit einer ausreichenden Spurenelementversorgung.


Mehr dazu findest du im Blogartikel zum Thema Spurenelemente.


Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden


Ein Thema, das immer wieder Unsicherheit auslöst, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Getreideanbau.


Zunächst einmal ist wichtig zu verstehen: Sowohl in Deutschland als auch in Spanien werden Getreidefelder im konventionellen Anbau behandelt. Das betrifft auch das spätere Futterstroh. Entscheidend ist jedoch, wann und wie behandelt wird. Behandlungen während des Wachstums sind im konventionellen Anbau normal.


Kritischer wird es bei dem sogenannten „Kurzspritzen“, also Behandlungen kurz vor der Ernte.

Diese Praxis findet man vor allem in Deutschland. In Spanien wird ein großer Teil des Strohs direkt als Futter verkauft, weshalb das „Kurzspritzen“ keinen Sinn macht.


Aber was bedeutet „kurzgespritzt“?

Mit „kurzgespritzt“ ist gemeint, dass das Getreide kurz vor der Ernte behandelt wird, zum Beispiel:

  • für eine gleichmäßigere Abreife
  • zur Erleichterung der Ernte
  • um Ernteverluste zu reduzieren
  • Und schlicht und einfach (in Deutschland) weil der Absatzmarkt in den letzten Jahren so stark eingebrochen ist.


Stroh ist oft ein Überschussprodukt der Getreideproduktion. Früher wurde deutlich mehr Stroh genutzt – als Einstreu, Futterbestandteil. Heute fällt aber in vielen Regionen immer noch viel Stroh an, während gleichzeitig viele Pferdehalter fast ausschließlich auf Heu setzen.


Dadurch entstehen mehrere Effekte:

  • Überschüsse an Stroh
  • niedrige Preise in manchen Jahren
  • hoher logistischer Aufwand für Lagerung
  • Landwirte müssen das Material irgendwie verwerten


Das Kurzspritzen hat dabei mehrere "Vorteile": schnellere Verrottung auf dem Feld, bessere Einarbeitung in den Boden, weniger Probleme bei der nächsten Aussaat, teilweise auch schlicht: „weg damit“.


In Spanien wird Stroh verfüttert. Diese Tatsache und natürlich die trockenen Klimabedingungen machen ein „Kurzspritzen“ unnötig.


Auf alle Fälle gilt: Kurzgespritztes Stroh ist nicht als Futterstroh geeignet. Denn je näher eine Behandlung an der Ernte liegt, desto weniger Zeit bleibt für natürliche Abbauprozesse.


Stroh-Qualität:

Trotz allem sollte bei der Entscheidung für Stroh das Augenmerkt wie bei allen Raufuttern ganz klar auf den folgenden Punkten liegen:

  • Qualität
  • Lagerung
  • Staubbelastung
  • Geruch
  • Struktur


Wie kommt man an gutes Futterstroh?


Gutes Stroh bekommt man nicht zufällig. Man bekommt es über Landwirte, über den Bauern im Dorf, über Gespräche und über langfristige Zusammenarbeit. Wer gezielt nachfragt, wann gespritzt wurde und ob kurz vor der Ernte behandelt wurde, bekommt in der Regel auch Antworten.

Und wer konsequent Wert auf Qualität legt, wird sie auch eher finden. Der Markt reagiert auf Nachfrage. Auch bei Stroh.


Spanische Sonderform: Garba de avena und Garba de cebada

Dabei handelt es sich um ungedroschenes Getreidestroh, also die ganze Pflanze inklusive eines gewissen Anteils an Körnern und Spelzen.


Man unterscheidet dabei vor allem:

  • Garba de avena (Hafer)
  • Garba de cebada (Gerste)
  • sowie verschiedene Mischformen


Dadurch wird nicht nur Struktur gefüttert, sondern immer auch Stärke über die enthaltenen Körner mit aufgenommen. Genau das wird häufig unterschätzt.


Garba de avena (Hafer)

Beim Hafer Garba liegt der Vorteil darin, dass die Stärke in den Haferkörnern für Pferde sehr gut dünndarmverdaulich ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die langsame Aufnahme der ganzen Pflanze die Stärke auch sehr langsam aufgenommen wird. Ganz anders als bei einer ganzen Schippe Hafer.


Garba de cebada (Gerste)

Garba de cebada ist für Pferde deutlich weniger geeignet als Garba de avena. Zum einen spielen hier die Grannen eine Rolle. Diese können sich mechanisch im Zahnfleisch, Maulbereich oder teilweise sogar in der Speiseröhre festsetzen. In schweren Fällen müssen solche Fremdkörper herausoperiert werden.


Zum anderen ist (nicht aufgeschlossene) Gerste für Pferde deutlich schlechter verdaulich als Hafer. Gelangt zu viel unverdaute Stärke in den Dickdarm, kann das die Darmflora belasten und langfristig auch Stoffwechsel und Leber beeinträchtigen. Dies gilt vor allem bei langfristiger oder überwiegender Fütterung von Gersten-Garba.


Garba sollte deshalb nicht einfach wie normales Stroh betrachtet werden, sondern als eigenes Futtermittel mit deutlich anderer Wirkung auf die Ration.


Hier eine Einordnung von Energie- und Eiweißgehalt von Garba de avena

Garba de avena liegt vom Energiegehalt und eiweißtechnisch meistens zwischen klassischem Stroh und Heu — je nach Schnittzeitpunkt und Anteil an Körnern bzw. grünen Pflanzenteilen.


Hier muss man unterscheiden:

  • sehr früh geerntete, noch grüne Garba
  • stärker ausgereifte, strohigere Garba
  • Garba mit höherem Kornanteil
  • Spät geerntete Haferpflanze ohne viele Körner


Grob eingeordnet:


1) Typisches Weizenstroh:

  • eher niedriges Eiweiß
  • niedrige Energie
  • hohe Strukturwirkung


2) Durchschnittliches Heu:

  • mittlere bis höhere Energie
  • deutlich mehr Eiweiß
  • leichter verdaulich


3) Hafer-Garba (wird von Pferden oft lieber gefressen als Heu):

  • Hafer-Garba ist oft moderat energiereich, weil die ganze Pflanze genutzt wird
  • Körneranteil schwankt häufig je nach Zeitpunkt der Ernte
  • Strukturwirkung wie Stroh
  • Eiweiß: meist deutlich über Stroh aber meist unter dem von Heu mit „normalem“ Eiweißanteil


Typische Tendenz:

  • Stroh: eher „Strukturträger“
  • Garba: Struktur + etwas mehr Nährstofflieferant
  • Heu: häufig energiereicher und eiweißreicher, je nach Erntezeitpunkt


Deshalb funktioniert Garba auf oft so gut in Kombination mit:

  • Luzerne
  • Stroh
  • Mineralfutter
  • Und etwas Kleie für ein ausgewogenes CA:P-Verhältnis


Warum das CA:P-Verhältnis so wichtig ist, kannst du hier nachlesen.


Denn Garba ist eine Art „Zwischenfutter“:

  • mehr Struktur als Heu, aber nährstoffreicher als Stroh.


Grünhafer – zwischen Heu und Getreidepflanze


In Deutschland wird in den letzten Jahren zunehmend Grünhafer gefüttert. Dabei handelt es sich um früh geernteten Hafer, der geerntet wird, bevor das Korn vollständig ausgereift ist.

Dadurch unterscheidet sich Grünhafer deutlich von klassischem Stroh oder Garba. Während bei Garba bereits deutlich entwickelte Körner vorhanden sind, befindet sich der Hafer beim Grünhafer noch in einem früheren Entwicklungsstadium.


Das hat Auswirkungen auf Struktur, Energie- und Eiweißgehalt.


Grünhafer besitzt meist:

  • mehr Eiweiß als Stroh
  • mehr Energie als klassisches Futterstroh
  • und mehr Struktur als Heu


Dadurch liegt Grünhafer in seiner Einordnung in allen Punkten (Eiweiß, Energie und Struktur) gewissermaßen zwischen Heu und Stroh aber unterhalb von Garba.

 

Und wie komme ich an gutes „Futterstroh“?

Gutes Stroh bekommt man nicht zufällig. Man muss aktiv Nachfragen.

Auch der Markt für Stroh reagiert auf Nachfrage. Wenn man Stroh als Futtermittel sieht und bereit ist, den Preis für ein qualitativ hochwertiges Futtermittel zu bezahlen, findet man es und man wird in Zukunft auch mehr davon finden.

Und ja, auch hier gilt: Man muss miteinander reden. Mit Landwirten, Bauern und Zulieferern.

Wer gezielt nachfragt, wann gespritzt wurde und ob kurz vor der Ernte behandelt wurde, bekommt in der Regel auch Antworten. Und wer konsequent Wert auf Qualität legt, wird sie auch eher finden.


Und wie erkennt man gutes Futterstroh?

Die Antwort ist weniger kompliziert, als viele denken. Es sollte staubarm sein, frei von Schimmel, frisch riechen und vom Pferd gerne gefressen werden. Und ja, gutes Stroh riecht wirklich gut. Wer hier bewusst auswählt, hat bereits einen großen Schritt zu einer besseren Ration für sein Pferd gemacht.


Wenn du tiefer in das Thema Strohfütterung einsteigen möchtest – egal ob mit kleinen oder höheren Strohanteilen – und verstehen möchtest, wie man Rationen sinnvoll ergänzt, Eiweiß gezielt ersetzt und auf eine passende Versorgung mit Spurenelementen achtet, findest du dazu viele weitere Informationen in meinem Buch Keine Angst vor STROH – das vergessene Gold in der Pferdefütterung.

Dort geht es nicht nur um Stroh und Pferde, sondern auch um Ponys, Esel und Mulis – und um viele andere zum Teil vergessene Futtermittel. Auch enthält es viele praktischer Rationsbeispiele aus dem Alltag.









Weiße Strichzeichnung eines Pferdes auf blauem, kreisförmigem Hintergrund

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