Warum meine Pferde 24/7 STROH bekommen - Aber nicht nur!
Als ich einem Futterverkäufer aus Deutschland mal am Telefon verriet, dass wir hier auf Mallorca Stroh und Garba (das ist ungedroschenes Stroh mit Körnern) füttern, bekam dieser so heftige Schnappatmung, dass ich dachte, ich müsse den Notruf wählen… 😉
Und ja, wir alle kennen die Aussagen:
👉 Stroh ist wertlose Einstreu
👉 Stroh macht Koliken.
👉 Stroh darf wenn überhaupt nur sehr spärlich eingesetzt werden.
Und lange Zeit habe ich das alles auch geglaubt. Doch als ich dann vor 17 Jahren auf Mallorca festgestellt habe, dass es hier überhaupt kein Heu gibt (heute ist das anders) war ich gezwungen umzudenken.
Und so haben wir hier lange fast ausschließlich Stroh gefüttert und wir sind damit nicht so schlecht gefahren.
Die Aussage vieler Futterberater – nur Heu zu füttern sei wirklich Pferdegerecht – hat mich verunsichert. Und so wollte ich es einfach genauer wissen. Denn ich wollte doch das Beste für meine Pferde.
Die Notwendigkeit und die echte Fütterungspraxis hier auf Mallorca ließen an den Behauptungen vom gefährlichen Stroh jedoch immer mehr Zweifel wachsen.
Ich machte dann auch ein Studium der Pferdefütterung, aber auch dort lernte ich, dass man Pferden höchstens X-% der Gesamtration an Stroh geben darf.
Okay, aber irgendwie kann das nicht stimmen. Denn die 30.000 Pferde auf den Balearen und alle anderen Pferde in Südeuropa...die kein 24/7 Heu zur Verfügung haben, leben doch auch. Und das auch gar nicht so schlecht.
Und so beschäftigte ich mich immer intensiver mit dem Thema STROHFÜTTERUNG für Pferde. Eines war schnell klar. Die reine Strohfütterung ohne ausreichenden Eiweißpartner und ohne Mineralfutter ist nicht ausreichend.
100 % Stroh oder Garba, da sage ich ganz klar NEIN! Hier die Gründe:
👉 zu wenig Eiweiß → schleichender Mangel
👉 zu wenig Spurenelemente → schleichender Mangel
👉 Ligningehalt → eingeschränkte Nährstoffverfügbarkeit
👉 bei Garba: zwar mehr Eiweiß aber meist nicht ausreichend und ähnlich Spurenelementearm wie Stroh → Stoffwechselbelastung
Aber 24/7 Heu funktioniert für viele Pferde auch nicht.
Ich schaute mir daher auch die Probleme an, die viele Pferdehalter z.B. in Deutschland mit 24/7 Heu haben. Übergewichtige Pferde und Stoffwechselprobleme sind in den letzten Jahren zu einem so wichtigen Thema geworden, dass zeitgesteuerte Heuraufen, Fressbremsen und Co. Hochkonjunktur haben.
Und ja, wenn man Rationen ausrechnet, wird auch klar warum. 24/7-Heu bedeutet, dass ein Pferd schnell mal 18, 20 oder mehr Kilo Heu pro Tag frisst. Stellt man dann einen kalkulierten Energiebedarf dieses Pferdes dagegen, dann sollte es vielleicht aber nur 9 Kilo dieses Heus bekommen?
Wenn das Pferd dann mit der Zeit Übergewicht oder EMS entwickelt beginnt dann das Diätendrama...
Mein übergewichtiges Pferd saugte diese berechneten 9 Kilo unseres superteuer importierten Heus z.B. in 3 Stunden weg. Sollte ich ihn den restlichen Tag hungern lassen?
Das konnte also nicht so bleiben.
Also lernte ich wie ich Stroh und Heu bzw. Luzerne und Mineralfutter so kombinierte, so dass mein Pferd am Ende eine ausgewogene Tagesration hatte und ganz wichtig, den ganzen Tag zu fressen hatte.
Und ja man kann sagen, ich bin ein echter Stroh-Fan geworden.
Und genau darum haben meine Pferde 24/7 Stroh zur Verfügung – aber eben nicht nur
👉 Ich füttere Stroh + Luzerne + gezielt ausgewähltes Heu
👉 ich ergänze
Spurenelemente & Eiweiß (durch Heu + Luzerne)
👉 Ergebnis:
Stabilisierung auch bei Stoffwechselpferden
Denn Stroh ist eines der ältesten Futtermittel für Pferde – und doch eines der meist unterschätzten. Während 24/7-Heu ein relativ junges Fütterungskonzept ist (erst seit den 1990er-Jahren verbreitet), wurden Pferde über Jahrtausende mit Stroh oder strohbasierten Rationen gefüttert. Auch hier auf Mallorca war es früher völlig normal, Pferde fast ausschließlich mit Stroh oder Garba (ungedroschenes Haferstroh, inklusive Ähren) zu versorgen.
Doch beide Systeme – 24/7-Heu wie auch 24/7-Stroh/Garba – haben Grenzen. Genau diese möchte ich in diesem Beitrag beleuchten. Es geht nicht darum, für oder gegen Stroh oder Heu zu argumentieren – sondern man kann beides nutzen, um eine gesunde, bedarfsgerechte Ration zu erstellen.
Mehr über Stroh und wie ihr es mit Heu und anderen Raufuttersorten kombinieren könnt, erfahrt Ihr auch in meinem Buch „Keine Angst vor Stroh“
Du kannst es überall im Buchhandel oder Online bestellen.
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